Chronisches Handekzem: Wenn die Hände keine Pause kennen. Das chronische Handekzem ist weit mehr als trockene oder gereizte Hände. Es ist eine entzündliche Hauterkrankung, die anhält, häufig wiederkommt und tief in den Alltag eingreift. Händeschütteln, Kochen, Arbeiten: Was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, wird für Betroffene zur täglichen Herausforderung. Das chronische Handekzem ist zudem die häufigste berufsbedingte Hauterkrankung in Deutschland – mit weitreichenden Folgen. Die Reihe zum chronischen Handekzem erscheint im Oktober 2026. Was ist ein chronisches Handekzem? Von einem chronischen Handekzem spricht man, wenn ein Ekzem an den Händen oder Handgelenken länger als drei Monate besteht oder mindestens zweimal im Jahr auftritt. Die Erkrankung ist entzündlich, schmerzhaft und in ihren Ausprägungen sehr unterschiedlich. Typische Symptome sind: Rötung, Schwellung und Juckreiz Trockene, schuppende oder rissige Haut Schmerzhafte Einrisse (Fissuren) Blasenbildung Verhärtung und Verdickung der Haut Wer ist vom chronischen Handekzem betroffen? Etwa neun bis zehn Prozent der Bevölkerung leiden an einem chronischen Handekzem, Frauen etwas häufiger als Männer. Die Erkrankung beginnt oft bereits vor dem 20. Lebensjahr: Mehr als ein Drittel der Betroffenen berichtet, schon im Jugendalter erste Symptome gehabt zu haben. Besonders häufig betroffen sind Menschen in Berufen mit intensivem Handkontakt zu Wasser, Reizstoffen oder Allergenen – etwa im Gesundheitswesen, im Friseurhandwerk, im Baugewerbe oder in der Lebensmittelverarbeitung. Was löst das chronische Handekzem aus? Das chronische Handekzem ist eine multifaktorielle Erkrankung. Meist wirken mehrere Ursachen zusammen. Bekannte Auslöser und Risikofaktoren sind: Häufiger Kontakt mit Wasser und Feuchtigkeit – sogenannte Nassarbeit Reizstoffe wie Reinigungsmittel, Desinfektionsmittel oder Chemikalien Allergene, z. B. Latex, Nickel oder bestimmte Duftstoffe Langes Tragen von Schutzhandschuhen Genetische Veranlagung – wer als Kind an Neurodermitis litt, hat ein erhöhtes Risiko Stress und psychische Belastung Mehr als Hautprobleme: Folgen im Alltag Das chronische Handekzem belastet weit über die Haut hinaus. Schmerzen und Juckreiz stören den Schlaf, schränken die Beweglichkeit ein und machen selbst kleine Alltagshandgriffe zur Belastung. Die beruflichen Konsequenzen können gravierend sein: Arbeitsunfähigkeit: Schübe können dazu führen, dass Betroffene zeitweise nicht arbeiten können Berufswechsel: Rund jede:r Vierte mit einem berufsbedingten Handekzem muss den Beruf aufgeben oder wechseln Psychische Belastung: Scham über das Aussehen der Hände, sozialer Rückzug und Frustration sind häufige Begleiterscheinungen – bis hin zu Depressionen Wie wird das chronische Handekzem behandelt? Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad, Ursache und individuellem Verlauf. Wichtigstes Ziel ist es, Schübe zu kontrollieren, die Haut zu stabilisieren und Auslöser konsequent zu meiden. Hautschutz und Basispflege: Rückfettende Cremes und konsequenter Hautschutz sind die Grundlage jeder Therapie Triggervermeidung: Allergene und Reizstoffe identifizieren und so weit wie möglich meiden Kortison-Cremes: wirken schnell bei aktiven Schüben – nicht für die Daueranwendung geeignet Topische Calcineurin-Inhibitoren (TCIs), d. h. entzündungshemmende Cremes ohne Kortison – wirksam bei aktiven Schüben, schonend für empfindliche Hautstellen Neue topische Wirkstoffe: Seit 2024 ist in Deutschland erstmals eine speziell für das mittelschwere bis schwere Handekzem zugelassenes Creme verfügbar Tabletten und Spritzen: für schweren Verläufen, bei denen Cremes allein nicht mehr ausreichen Hautschutzprogramme, besonders bei berufsbedingten Ekzemen – strukturierte Programme verbessern nachweislich Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität Lichttherapie und Iontophorese: ergänzende Behandlungsmethoden, bei denen gezieltes UV-Licht und schwache Stromimpulse die Haut beruhigen und Schübe lindern können Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend: Je früher das Handekzem erkannt und behandelt wird, desto geringer das Risiko, dass die Erkrankung chronisch wird. Das könnte Sie auch interessieren: Akne inversa: Eine Erkrankung, die Sichtbarkeit verdient. Chronisch-entzündlich, oft jahrelang unerkannt – und an Körperstellen, über die kaum jemand spricht. Akne inversa im Überblick. Jetzt anschauen Schuppenflechte: Wenn die Entzündung den ganzen Körper betrifft. Weit mehr als Hautschuppen: Die Schuppenflechte betrifft in Deutschland bis zu 3 Millionen Menschen. Alles über Psoriasis. Jetzt anschauen Expert:innen Dr. med. Sandra Philipp Niedergelassene Dermatologin und Expertin für chronisches Handekzem, Oranienburg // Fasziniert von den neuen Behandlungsmöglichkeiten in der Dermatologie – und was sie im Leben der Betroffenen verändern können. Expertin kennenlernen
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